Unverlangte Absagen
Sehr geehrte Damen und Herren!
Als ich Ihre Stellenanzeige gelesen habe, habe ich mir gedacht, bei Ihnen bewerbe ich mich. Schon wegen dem Foto vorne drauf, wobei es sich wahrscheinlich um Mitarbeiter handelt, die vor Freude hüpfen, weil Sie bei Ihnen arbeiten dürfen.
Als ich jedoch genauer hingeguckt habe, musste ich feststellen, dass ich leider für nichts geeignet bin. Ich bin kein Inhouse-Consultant, auch kein Leiter IT und kein PR Referent.
Das einzige, was ich machen könnte, wäre vielleicht ein Mediengestalter, weil ich daheim auch immer sage, welches Fernsehprogramm angeschaut wird. Da hat meine Frau überhaupt keine Chance gegen mich.
Allerdings habe ich dann gelesen, ich müsste da engagiert sein bis an die Haarspitzen. Das ist mir leider nicht möglich, weil ich nämlich eine Glatze habe. Mein Haarausfall hat mit 27 angefangen und war ein Drama, weil mir das unwahrscheinlich auf die Psyche gegangen ist. Zudem habe ich immer geglaubt, ich kriege ohne Haare keine Frau. Ich habe aber trotzdem eine gekriegt, die war sogar froh, dass ich eine Glatze habe. Für sie war das nämlich eine zusätzliche Kussfläche.
Lange Zeit habe ich mir dann überlegt, ob ich ein Toupet benutzen sollte, aber davon bin ich auch wieder abgekommen, weil ich damit furchtbar doof aussah. Zudem ist es ja auch so, dass diese Kunsthaare keine direkte Verbindung zum Haarboden haben, sie sind also sozusagen galvanisch getrennt und daher fühlt man in diesen Haaren überhaupt nichts. Deswegen lieber Glatze.
Ich wollte Ihnen das eigentlich gar nicht schreiben, sondern lediglich, dass ich mich aus genannten Gründen nicht bei Ihnen bewerben kann, obwohl ich anfänglich den inneren Drang dazu hatte.
Ich hoffe, Sie verstehen meine Beweggründe und nehmen mir das nicht übel, obwohl ich gerne mit Photoshop arbeite. Ich habe letzte Woche meine Frau fotografiert und sie mit diesem Programm bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Das geht mit der Funktion „Verflüssigen“. Meine Frau hat mich dann allerdings eine Woche lang nicht mehr in ihr Bett gelassen, weil sie scheinbar nicht weiter verflüssigt werden wollte.
Trotzdem wünsche ich Ihnen noch weiterhin viel Erfolg
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Herr Unverlangt*
*Quelle: Fundstücke