Darf´s ein bisschen mehr sein?

Es gibt Situationen im Leben, auf die man sich nicht vorbereiten kann, da erzählen wir sicherlich nichts Neues. Da es unlängst im Leben der Autorin zu einem ziemlich besorgniserregenden Vorfall kam, möchte sich diese nun selber kurz dazu äußern.


Man weiß nie, wieviel Zeit einem bleibt, das musste ich nun erneut auf äußerst schmerzhafte Weise realisieren. Wer mein kleines Experiment bisher verfolgte, dem sollten bereits gewisse autobiografische Zusammenhänge klar geworden sein. Selbstverständlich ist der Captain ein eigenständiger Charakter. Dass dieser jedoch auch als Stellvertreter fungiert, haben meine klugen Leser sicherlich längst erkannt. Ich erlaube mir daher heute ganz offen über die Panik zu reden, welche mich im Zusammenhang mit der schlimmen Geschichte meine Brust betreffend tagelang über meine Grenzen hinaus brachte. Denn die wirklich massive Entzündung wollte einfach nicht weichen und daher wurde ich dann dieser Tage doch in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses vorstellig. Die Reaktionen auf die münzgroße, offene Wunde waren mehr als bemerkenswert, den absoluten Vogel schoss jedoch der behandelnde Oberarzt ab. Denn dieser ist regelrecht ausgeflippt und wenn er gekonnt hätte, wie er wollte, dann hätte er mich vermutlich geohrfeigt. "Seit Tagen laufen Sie schon damit rum? Das glaube ich Ihnen gerne! Das muss in die Gynäkologie, da muss dringend ein Spezialist dran und zwar s o f o r t !" (Unser KH hat leider keine eigene gynäkologische Abteilung, daher musste ich umgehend in die nächstgelegene Kreisstadt fahren). Seine heftige Reaktion hat mich ziemlich erschüttert und daher zögerte ich nicht mit der Befolgung seiner Anweisung. Mich hat es nicht nur umgehauen, wie erschrocken dieser arme Mensch war. Erstaunlich fand ich nämlich auch, dass es trotz der Schwierigkeiten, die mit der Erreichbarkeit beider Krankenhäuser zusammenhängt und trotz der Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr absolut reibungslos lief. Insgesamt war ich inklusive Zwischenstopp in meinem Haus nur vier Stunden im Dienste meiner Gesundheit unterwegs und das war wirklich wichtig. Es stellte sich nämlich heraus, dass bei mir eigentlich nur ein Abszess eskaliert ist. Dies geschah jedoch so ausufernd, dass ich bis heute unter starken Schmerzen leide. Allerdings habe ich ja schon vor Tagen in einer sehr klaren Vision meine eigene Heilung gesehen, was mich dann doch teilweise beruhigte. Solange man noch Hoffnung hat, hat man noch nicht verloren.  Ermutigend ist zudem, dass die Maßnahmen greifen, also braucht es weiterhin vor allem eine gute Pflege und viel Zeit. Es hätte aber auch anders kommen können und das war wohl nicht nur die größte Sorge des in Rage geratenen Oberarztes. Ich selber hatte eine ziemliche Angst vor einer ungünstigen Diagnose, das brauche ich nicht zu leugnen. Daher stehe ich noch immer unter dem starken Eindruck dieses Schreckens und ich werde erst wieder froh sein, wenn sich die letzten Schatten aufgelöst haben.
Dass ich vorsichtig von Heilung sprechen darf, stimmt mich jedoch insgesamt zuversichtlich. Es ist allerdings eine bestehende Tatsache, dass die Zeit der Rekonvaleszenz eine langweilige ist. Daher fühle ich mich momentan ein bisschen wie Falschgeld und das zehrt sehr an mir - und zwar mehr, als die sich täglich schrittweise minimierenden Schmerzen es tun. Denn auf gewisse Weise bin ich schon lange an das quälende Hintergrundrauschen* gewöhnt und an die Ruhe eben leider nicht. Aber da es bereits kräftig auf Ostern zugeht, bin ich gerne bereit für ein gesundheitliches Wunder. Die Zeit der Auferstehung, was könnte passender sein?

*Es gehört zu meiner Lebensrealität, dass ich die Zähne schon lange so feste zusammenbeiße, dass ich deshalb starke Zahnschmerzen bekam. Es mag sonderbar klingen, aber einen Arzt zu brauchen löst schreckliche Bilder in mir aus. Ich sehe dann wieder die Hand vor mir, die mir ins Gesicht schlug. Als ob Krankheit ein Verbrechen wäre - oder ich nur ein mieser, elender Simulant (täuscht Schwäche vor, um sich vor der Arbeit zu drücken). Aber wie heißt es so treffend? Es fällt schwer, jemandem zu glauben, wenn man weiß, dass man an seiner Stelle gelogen hätte. Die Hölle ist nichts gegen das Haus meiner Herkunft, so leid es mir tut.