Der Captain auf der Brücke

Ja, liebe Freunde der gepflegten Nachtwanderung, es gibt einen Namen, der wie Donnerhall durchs Universum geht und ihr wisst, wovon wir reden! Nie zuvor gab es ein vergleichbares Kaliber an Führungskraft und charakterlicher Brillanz und sollte dies doch der Fall sein, dann muss das in einem Paralleluniversum stattgefunden haben. Für uns gibt es nur diese eine und sie ist die bemerkenswerteste Persönlichkeit, die wir je erleben durften. Der Name dieses energiegeladenen Wesens wurde ja hier und da bereits in die Runde geworfen, unseren germanischen Wurzeln zuliebe wollen wir ihn jedoch hier noch einmal verkünden: Captain Shedidit "Sheedy" Herway ist nicht nur die klangvolle Bezeichnung unserer obersten Instanz. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Frau, die schon früh in ihrem Leben gegen große Ungerechtigkeiten ankämpfen musste. Zudem wuchs sie im Feindesland auf und zeichnet sich daher längst durch eine unfassbar hohe Resilienz aus. Diese konnte sie im Laufe ihres turbulenten Lebens sogar noch weiter ausbauen und mit der ihr eigenen Eleganz kultivieren. Würde man es schaffen, ihre enorme Aura irgendwie sichtbar zu machen, dann käme es bei unserem Captain zu einem Bild ähnlich jener Leitfigur aus dem Reifenhandel, dessen Name sich sogar in der Vergabe von Qualitätssternen in der Gastronomie wiederfindet. Dass die Explorer One unter der segensreichen Leitung dieser kampferprobten Frau steht, gehört aus gleich mehreren Gründen zu den Sternstunden der Raumfahrt - aber davon werden wir euch später erzählen.
Da der Captain sich selber eher selten begegnet, sind ihm unsere Lobpreisungen immer sehr unangenehm und auch das ist eine der schönen Seiten von Captain Sheedy. Wüsste man es nicht besser, dann könnte man glauben, dass unsere außergewöhnliche Leitfigur sich ihrer wahrhaft gewaltigen Fähigkeiten im Grunde nicht wirklich bewusst ist. Und diese Tatsache hat sich bereits seit geraumer Zeit auf allen Sternenmeeren herumgesprochen. Bei den Lemurianern zum Beispiel hat sich durch das Wirken unseres Captains eine Redensart etabliert, die wir nur vage übersetzen können - und wer die lemurische Sprache kennt, der weiß, warum! Aber es heißt dort sinngemäß "Wie kann man nur so bescheiden sein?" und das ist etwas, was man mit gutem Gewissen über unseren Captain sagen darf. Aufgrund ihrer enormen Zurückhaltung gibt es daher auch nicht besonders viel aus Sheedys Vergangenheit zu berichten. Selbst die für eine Karriere in der Sternenföderation erforderlichen Zeugnisse, Bescheinigungen und sonstigen Verifikationen werden von dieser großartigen Führungspersönlichkeit unter Verschluss gehalten, so dass wir im Grunde genommen nur glauben können, was wir sehen. Aber davon sehen wir reichlich, was auf einem Schiff wie der Explorer One eigentlich auch gar nicht anders möglich ist. Selten war jemand so raumgreifend und omnipräsent wie unsere erste Person im Schiff und das ist nicht unbedingt immer ein Spaziergang für uns. Wenn einem in den Fluren unseres flotten Raumgefährtes ein geknicktes, derangiertes Gesicht mit roten Ohren begegnet, dann weiß man schon, was da wieder los war: Es gab einen heftigen Rüffel von oben und wenn dieser in der Lieblingssanktion des Captains mündet, dann ist bei den Betroffenen jeweils Holland in Not. "Hast du kein Niveau für mich, dann habe ich auch keine Nivea* für dich" - so sagt sie nämlich, wenn die Lage besonders ernst ist. Und wehe dem, der das zu hören bekommt; es sollen schon Herzen darüber zerbrochen sein. Manch einer war noch Tage später von billigem Fusel besoffen, was 1. keine Übertreibung ist und 2. wirklich mehr als verständlich. (*Nivea: Neuronales interdisziplinäres vertikales Ethanol Alkaloid - das Lieblingsgetränk aller Sternenreisenden)
Dass es bei unserem Captain neben all den mannigfaltigen Attributen der Exzellenz auch eine ausgeprägte dunkle Seite gibt und diese im Gegensatz zur herkömmlichen Negativität den lichtvollen Aspekten ihres Wesens vollumfänglich zuspielt, macht aus unserer Führung tatsächlich erst diese universalgeniale Person, die wir alle kennen und lieben. Weil aber die schönsten Loblieder, die man zu singen in der Lage ist, im besten Fall höchstens die halbe Miete darstellen können, wollen wir unseren wunderbaren Captain daher lieber in seinem sinnbefreiten Wirken auf unserer Reise durch die Sterne erleben. Wir schließen daher die ultimative Ehrerbietung an dieser Stelle und widmen uns für den Rest des Tages einigen hochpotenten Getränken unserer Wahl. Ein warmes Wannenbad sollte ebenfalls möglich sein, so dass auch wir uns für einen Moment als Kapitän mit Superstar-Nimbus fühlen können. Und wie in jedem guten Film gibt es auch bei uns am Ende der Vorstellung respektvoll die euphorische Hymne zur Festigung der mentalen Erhabenheit:

♪  ♫  ♩  "Ein Hoch auf den Captain - der Captain, Hurra!"  ♩  ♫  ♪