Typisch Deutsch!
Dass der Deutsche an sich in der Welt keine allzu große Achtung mehr genießt, resultiert vermutlich aus einer von vielen "Eingeborenen" leider zur Schau getragenen, unverhältnismäßigen Arroganz. Neid, Gleichgültigkeit, Naivität und eine wirklich ekelhafte Rechthaberei runden das unsympathische Bild perfekt ab, so dass man sich eigentlich dafür schämen muss, diesem abgestumpften Landstrich zu entstammen. Unsere Autorin hatte leider erst heute wieder ein wirklich beispielhaftes Erlebnis, welches auf sie so erschütternd wirkte, dass bereits um elf Uhr der erste Schnaps als Trostpflaster herhalten musste. Stein des Anstoßes war ein bereits im letzten Jahr eskalierter Holunderbaum, der momentan mit zwei oder drei schmalen, weichen und sehr biegsamen Ästen das Dach vom Gartenhäuschens des Nachbarn touchiert. Mehr muss man dazu nicht sagen, denn dass diesem nichts anderes dazu einfällt, als laut zu meckern, ist leider wirklich ganz typisch deutsch! Die Autorin dachte sich dabei nur "Meine polnische Verwandtschaft hätte jedenfalls nicht erst lange gefackelt und einfach mal gefragt, ob sie helfen kann" und war tatsächlich sogar den Tränen nahe. Es ist nämlich nicht so, als ob die Nachbarn keine Kenntnis von ihrer derzeit immer noch sehr schwierigen Situation hätten. Es ist weiterhin so, dass der Nachbar über die entsprechenden Möglichkeiten verfügt, mit welchen man das Problem kurz und schmerzlos würde lösen können (und die Autorin leider nicht). Aber man entrüstet sich lieber und unternimmt gar nichts. Weil, wenn man einfach helfen würde, dann könnte einem ja ein Zacken aus der Krone fallen. Vermutlich möchte man um Hilfe angebettelt werden, denn auch das scheint typisch deutsch zu sein: Sich erst lange bitten lassen, um sich dann "großzügig" zu zeigen und "gnädig" fünf Minuten seiner Zeit zu opfern. Geholfen wird einem allerdings meistens nur dann, wenn es sich um solche Dinge handelt, die man eigentlich auch alleine gekonnt hätte. Und besonders als alleinstehende Frau hat man es in der Nachbarschaft leider überdurchschnittlich schwer. Unsere Autorin weiß tatsächlich schon lange, wem sie im Ernstfall vertrauen darf und das ist traurigerweise eine sehr einstellige Zahl weit unter fünf. Ganz alleine dazustehen hält ohnehin viele Probleme bereit und sich völlig schutzlos zu fühlen, ist zudem kein allzu angenehmes Gefühl. Wenn man dann noch darüber reflektiert, wie lange die lieben Nachbarn teilweise schon über wirklich gravierende Probleme Bescheid wissen (welche auch sie betreffen könnten) und selbst dafür lediglich ein schnödes Schulterzucken übrig hatten, dann kann man vermutlich nicht gerade von einer großen Liebenswürdigkeit sprechen. Man merkt dadurch jedoch sehr gut, wie gleichgültig viele Leute auf das Schicksal anderer reagieren. Wir empfinden eine solche Haltung nicht unbedingt als charakterlich gelungen und hoffen daher wirklich sehr, dass sich diese tragische Ignoranz eines Tages in ihr Gegenteil verkehrt. Eine vorgetäuschte Freundlichkeit war nämlich auf die Dauer noch nie ein echtes Erfolgsmodell. So etwas rächt sich irgendwann gerne mal und manch ein bestehender Respekt ging an einem solchen Verhalten stillschweigend zugrunde. Immerhin können wir nun sehr viel besser verstehen, wie es zu diesen teilweise extrem verlassenen Objekten kommt, die nach dem Tod ihrer Bewohner zu den sogenannten "Lost Places" mutieren. In diesen kann man den Wahnsinn einer entfesselten Konsumgesellschaft und ihrer traurigen Kehrseite bestens begutachten und wer schlau ist, der zieht daraus für sein eigenes Leben die richtigen Schlüsse. Unsere Autorin kam jedenfalls für sich selbst zu dem Ergebnis, dass es vermutlich schöner wäre, sich in die Geborgenheit zweier liebevoll ausgebreiteter Arme einzukuscheln. Daher arbeitet sie nun schon seit Längerem an der wirklich gründlichen Entsorgung des komplett überflüssigen Plunders, den einem die vielen Schnickschnack-Boutiquen aus Jugendzeiten so einbrachten und das ist auch gut so. Wir hielten nämlich erst dieser Tage ein sich in der Auflösung befindliches Objekt in den Händen, welches ursprünglich mal ein Glaskästchen darstellte und bei welchem sich inzwischen der Kleber vollständig verflüchtigt hat. So geht es aber leider mit den meisten Dingen der Neuzeit: Es hat einfach keinen Bestand mehr.*
* Die Hilfsbereitschaft unserer Autorin orientiert sich mittlerweile allerdings auch immer öfter an den modernen Gepflogenheiten. Und die Tonnen der Nachbarn, die sonst nach der Entleerung oft von ihr als reiner Freundschaftsdienst auf der Straße eingesammelt und vor die entsprechende Türe gebracht wurden, die bleiben inzwischen auch einfach stehen.