Auf einem Schiff zu wohnen

Liebe Leute, wir wollen gar nicht lange um den heißen Brei herumreden, denn eins steht von vornherein fest. Und das wird derzeit sogar unter Hochdruck in einen wahrhaft gigantomanischen Stein gemeißelt: Wir sind megastolz auf unser wunderschönes Schiffchen und dazu gibt es mehr als tausend Gründe. Wir haben daher beschlossen, unsere Freunde - so es uns die normalerweise eher knapp bemessene Zeit erlaubt - mit kleinen Happen der Einblicke zu verwöhnen. Unsere Entscheidung, euch zwischendurch immer mal wieder auf eine Roomtour in die Explorer One einzuladen, traf jedoch nicht bei allen Mitgliedern unserer sonst erstaunlich flexiblen Sternencrew auf ungetrübte Freude. Wir vermuten stark, das dies mit dem erst unlängst ausgebrochenen Streik des Servicepersonals zusammenhängen könnte, denn die nach Bekanntgabe unserer Entscheidung am häufigsten zu vernehmende Frage lautete schlicht: "Muss ich jetzt etwa meine Kammer putzen, oder wie ist das zu verstehen?" Wir müssen an dieser Stelle leider einräumen, dass der eine oder andere Teil unserer Mannschaft - und damit sind besonders die Mechaniker gemeint - bereits auf den Hinweis, dass es mal wieder Zeit für ein schönes Wannenbad wäre, in großes Lamento ausbricht ("Ja ist denn schon Weihnachten?") und daran kann man sehr anschaulich erkennen, wie es bei uns hinter den Kulissen zugeht. Erst neulich zum Beispiel konnte man wieder erleben, wie sich eines unserer jüngeren Mitglieder mit großen Augen an seinen Vorgesetzten wandte und ernsthaft meinte "Was soll das heißen - heute ist erst Mittwoch? Was kommt als Nächstes? Dass morgen erst Donnerstag ist oder was?" und auch dafür haben wir eher weniger Verständnis. Tage und Datum sollten nämlich besonders in unseren Kreisen die am wenigsten zu beachtenden Komponenten sein, da wir uns aufgrund unserer derzeitigen Außentemperatur in luftleerer Zeitlosigkeit bewegen. Auf unsere Geburtstagskinder mag das möglicherweise etwas frustrierend wirken. Aber wer mit uns durch die Sterne reisen möchte, der muss eben gewisse Abstriche machen. Ach ja, man merkt eben doch immer wieder, dass die Zeiten eines solch hingebungsvollen Teamplayers, wie es der begnadete Commander Riker von der Enterprise war, leider schon lange der Vergangenheit angehören. Wir versinken daher gelegentlich in Wehmut, denn dieser aufrechte Sternenreisende war eine geborene Nummer eins und es wundert sicherlich niemanden zu hören, dass seine Legende auch bei uns an Bord in tiefer Verehrung weiterlebt.

Wir haben deshalb als erstes Goody die unserer Meinung nach besonders gut gelungene Aufnahme des Fensters eines unserer Funker im Angebot, weil dieser sich immer mit besonders großem Eifer an die Gestaltung seines holografischen Hintergrundes macht. Glücklicherweise sind wir in der angenehmen Lage, unseren Mitarbeitern diesen extrem spannenden Dienst kostenfrei anbieten zu können. Unser gesamter Energiebedarf speist sich nämlich aus den progressiven Turbobeamern, die unser Schiff in ehrfurchtsvollem Abstand begleiten. Allerdings sind wir es, die sich fürchten und wer diese unglaublich spannungsgeladenen Beamer einmal aus der Nähe erleben durfte, der versteht genau, warum wir einen solch großen Respekt vor ihnen haben. Aber nachdem unser Captain während der Ausbildung einmal miterlebte, wie auf einem kleinen Patrouilleschiff zur Erzeugung von halbwegs realistischen Windgeräuschen einfach ein handelsüblicher Haartrockner benutzt werden musste, wollte sie es auf ihrem eigenen Schiff natürlich besser machen. Und wir müssen sagen, dass dies nicht nur im Gesichtsbuch der Föderation zu einer Flut von Likes geführt hat. Auch den Besuchern unseres Schiffes gefällt unsere virtuose Geräuschkulisse immer außerordentlich gut, daher können wir uns vor Gästen aus dem Sternenmeer oft kaum retten. Was die Funktionsweise dieser genialen Generatoren betrifft, so werden wir uns dazu später mal in einem gesonderten Fachbeitrag äußern. Es darf jedoch bereits jetzt schon angemerkt werden, dass es dem verrückten Erfinder dieser Sensation gelungen ist, aus der sprichwörtlichen Gülle Gold zu machen. Und nein, es war leider nicht unser von uns und anderen sehr geschätzter Ingenieur Düsentrieb. Dieser stand dem Entwicklerteam seinerzeit jedoch mehr als einmal beratend zur Seite, daher brauchen wir keine Angst vor einem Systemausfall zu haben. "Daniel kümmert sich!" - das ist in unseren Köpfen tatsächlich längst fest verankert, deshalb gibt es zum Abschluss dieser kleinen Rede ein dreifaches, megantisches "Horrido" für unser liebes Genie und eine Runde Schabau für alle.