Unser Chefkoch Harry the Flamborghini

Je mehr Sterne der Koch, desto astronomischer die Preise.

Die angemessene Ernährung unserer fantastischen Sternencrew stellt uns öfter mal vor nicht unerhebliche Herausforderungen. Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da es sich bei unserem Personal um ein mehr als buntgemischtes Völkchen aus allen Ecken der uns bekannten Quadranten des Universums handelt. Üblicherweise regelt unser bis ins letzte Detail durchdigitalisiertes Bordsystem die teils sehr komplexen Fragen einer jeden artgerechten Versorgung. Dass unsere hochmodernen Replikatoren hierbei die entscheidende Rolle spielen, steht natürlich außer Frage. Nun ist es jedoch so, dass beispielsweise die Hundeköpfigen vom Planeten Canoidea Plus aufgrund ihres präanimalischen Stoffwechsels eine Ernährung bevorzugen, welche auf den drei Säulen des metabolischen Prinzips beruht: Abbau, Umbau und Aufbau von Stoffen im Organismus. Diese ursprüngliche Ernährungsweise basiert besonders bei den Wolfsartigen auf einem den Carnivoren entsprechenden Speiseplan, der sich im Wesentlichen aus fleischlicher Kost zusammensetzt. Nun verhält es sich derzeit jedoch so, dass unsere phantastischen Replikatoren zwar grundsätzlich jede erdenkliche Speise klaglos zubereiten können. Und hinsichtlich von Optik, Beschaffenheit, Konsistenz und Nährstoffgehalt lässt sich auch absolut nichts Negatives über dieses Wunder der Technik sagen. Im Gegenteil: Man staunt, dass sogar blutige Steaks in der schier unerschöpflichen Datenbank anzutreffen sind und das finden wir schon sehr beachtlich. Es gab jedoch von Anfang an das große Problem mit dem, was man im Volksmund als "tasty" bezeichnet und zwar betraf dies den Mangel an selbigem. "Kein Geschmack" / "Zu wenig Salz" / "Meine Oma kocht aber anders" - all das waren Bemerkungen, welche uns erst lange begleiteten und letztlich zum Handeln zwangen. Wir hatten dabei sogar erneut großes Glück, weil wir auch in diesem Fall die Nase wieder ganz weit vorn hatten. Als nämlich in der Föderation die Frage nach einer zukunftsorientierten Vorreitermannschaft laut wurde, die sich testweise einen virtuellen Koch an Bord holen möchte, da waren wir natürlich sofort zur Stelle.
Unser neues Crewmitglied hat sich bereits am ersten Tag nahtlos in unsere Gemeinschaft eingefügt und wurde mittlerweile ein unverzichtbarer Teil derselbigen. Es spielt auch absolut keine Rolle, dass unser Chefkoch nur auf dem Holodeck aktiv werden kann, denn das tut er dort um so stabiler. Fast scheint es so, als verfüge er über ein eigenes Bewusstsein und unser großes Kompliment geht hiermit an die Programmierer. Er verkörpert in seinem Dasein nicht nur einen spitzenmäßig ausgebildeten Experten seines Fachs, sondern er besticht zudem durch die heitere Note seines liebenswürdigen Wesens. Besonders die Kinder haben längst einen Narren an ihm gefressen, was nicht zuletzt auf seinen kleinen, komödiantischen Einlagen beruht, mit welchen er seine Arbeitsprozesse garniert. Erst vor wenigen Tagen konnten wir einen Schnappschuss von ihm ergattern, der während der Ausübung einer neuen Disziplin entstand: Dem einhändigen Erbsenschnipsen. Es benutzt dafür allerdings eine neue Züchtung von Riesenerbsen, welche die Größe einer herkömmlichen Glasmurmel haben und die besonders süß und schmackhaft sind.

Dass auch wir ganz angetan sind von unserem virtuellen Küchenchef, liegt jedoch nicht nur an seiner besonderen Kunst der Speisenzubereitung. Er ist nämlich zudem ein hervorragender Psychologe und das erkennt man in besonderem Maße daran, wie außerordentlich gut er das herzergreifende Prinzip einer gelungenen Nahrungskette versteht. Vermutlich wird sich deshalb auch niemand darüber wundern, dass wir hier an Bord unseren virtuellen Chefkoch ausnahmslos ins Herz geschlossen haben. Daher wurde aus dem geplanten Test unlängst eine verbindliche, langfristige Verpflichtung, was besonders die genialen Entwickler freut.

Kochen ist keine Kunst, Genuss bereiten ist das Geheimnis.

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