5. Logbucheintrag von Captain Sheedy auf der Explorer One

Veröffentlicht am 15. März 2026 um 08:35

Dass einem derzeit überall auf unserem Schiff ein verstärktes, in kräftigen Farben pulsierendes "ALERT" entgegenleuchtet, hat leider gewichtige Gründe. Wir sahen uns nämlich gezwungen, aufgrund unvorhergesehener Ereignisse - u.a. der wie aus dem Nichts aufgetauchte Riesenschwarm junger, pubertierender Meteoriten, die pöbelnd mit ihren Kanonen auf unschuldige Spatzen schießen - unseren Weg durch die bei allen versierten Sternenreisenden gefürchtete Zone der Angsthasen umzuleiten. Dieses von Furchen der Furcht zerrüttete Gebiet bereitet einem nicht nur durch seine extrem zähflüssigen Passagen große Probleme. Was nämlich leider fast noch schwerer wiegt, sind die furchtbar üblen Sorgenseufzer, die sich wie kleine Zecken an durchreisende Raumschiffe anheften und diesen allmählich ihre positiven Vibes entziehen. Man kennt die Art jenes nutzlosem Ungeziefers vermutlich überall im Universum, denn da, wo Leben ist, da sind auch die Räuber. Bei uns hat sich im Sprachgebrauch das Wort "Energievampire" etabliert und wir haben festgestellt, dass es von diesen eine schier unfassbare Zahl von Variationen gibt. Denn die miesen Ganoven lernten bereits früh in ihrer Evolution sich entsprechend zu maskieren und treten daher oft zunächst als ihr eigenes Gegenteil auf. Wir werden euch zu diesem Thema noch einen entsprechenden Bericht aus unserer Fachliteratur nachreichen. Derzeit haben wir jedoch heftig mit der Abwehr von schwer angstbasiertem Gedankengut zu kämpfen und sind daher nicht so ganz bei der Sache. Gerne dürfen wir euch aber jetzt schon darauf hinweisen, dass man absolut jeder Angst einen Gedanken der Liebe entgegen setzen sollte. Denn Angst und Liebe sind natürliche Feinde, die nicht miteinander kompatibel sind und sich daher gegenseitig abstoßen. Natürlich müssen auch wir gestehen, dass dies der kniffligste Part einer jeden Reise ist. Denn nichts ist schwieriger, als einem kleinen, stinkenden Parasiten ein positives Gefühl entgegenzubringen. Man kann es eigentlich auch nur dann schaffen, wenn man sich vor Augen hält, wie stark man jeweils durch die Abwehr eines Ärgernisses wird. Wo gehobelt wird, da fallen Späne - das ist nun mal so und es gibt auch keine Rose ohne Dornen. Da wir jedoch nicht nur wissen, wo wir lang müssen, sondern auch den unbedingten Willen für unseren Weg mitbringen, werden wir unser Ziel erreichen. Das war schließlich schon immer so. Während also derzeit von draußen die Schergen des Negativen mit ihren schleimigen Tentakeln geifernd nach uns greifen, haben wir unsere hochmotivierte Crew angewiesen, bereits vor dem Frühstück die ersten Freudenhymnen anzustimmen. Falls euch also die unglaubliche Kunde eines singenden Raumschiffes erreicht, das ungezählte Lichtjahre von der Erde entfernt frohgemut und tapfer den widrigsten Umständen trotzt, dann könnten wir das sein.