Die Liebe in den Zeiten der Kamera
Wenn ein interessanter Beitrag von der Chefin persönlich ansteht, dann ist die Aufregung immer groß. Denn obwohl das Thema bereits im Vorfeld klar umrissen wurde, muss ja trotzdem jeweils die Frage nach der Form geklärt werden. Da in der Rubrik des Kopfes dahinter jedoch Raum für persönliche Gedanken geschaffen wurde, scheint der von mir sonst eher ungern gesehene personale Erzähler am besten geeignet zu sein. Dass mir eine allgemeine Erzählform besser in der Hand liegt, hängt allerdings nicht mit irgendwelchen Hemmungen zusammen, die meine Person betreffen könnten. Es ist vielmehr die Schwierigkeit, die mutmaßlich belehrenden Einfärbungen einer allwissenden Instanz zu vermeiden. Meiner Meinung nach klingt es nämlich leider in dieser von mir eher ungeliebten 1. Person Singular (Ich-Form) oft so, als besäße der Autor eine höhere Weisheit als die gesamte Leserschaft. Wenn man dann allerdings mit dem literarischen Werk durch ist und feststellt, nachher genauso schlau wie vorher zu sein, dann war das Material vermutlich doch nicht ganz so gehaltvoll wie zunächst angenommen. Das ist im Grunde das Gleiche, als würde sich z.B. ein Mann (anonymisiert als "Otto Normal" zu bezeichnen) eine aktive, optisch ansprechende Partnerin wünschen. Zunächst ist die Freude noch groß, falls man tatsächlich eine solche gefunden und für sich gewonnen haben sollte. Wenn es jedoch darauf ankommt und man scheinbar wie aus heiterem Himmel mit dem leicht anrüchigen "Jetzt aber mal Butter bei die Fische" konfrontiert wird - die Frau also ihr Recht einfordert - wird (wie allgemein bekannt) leider immer noch ziemlich häufig gekniffen. Das hat man doch alles schon erlebt: Sie verlangt nach Zärtlichkeiten, worauf er entgeistert fragt "Die selbe Prozedur wie gestern Abend?" Antwortet sie ihm dann in einem nicht ganz salonfähigem Tonfall "Die selbe Prozedur wie jeden Abend, Liebling!", kann man eigentlich definitiv davon ausgehen, dass man mindestens ein furchtsames "Das überlebe ich nicht!" zu hören bekommt (wenn man nicht sogar mit einem schlotterig-beklommenen "Die Hexe kommt, auweia, jetzt geht es in die Heia!" beglückt wird). Dazu kann man dann aber eigentlich auch nur noch sagen: Selbst Schuld, du Held; das hast du jetzt von deiner erotischen Frau. Einen Ferrari muss man sich nämlich nicht nur kaufen können, sondern man sollte auch dazu in der Lage sein, ihn zu fahren.
Wie komme ich denn jetzt eigentlich schon wieder auf dieses nicht ganz stubenreine Thema der körperlichen Fusionierung? Man könnte grad meinen, ich hätte einen Hang zum Unanständigen. Dabei bin ich doch die Bravheit in Person - oder wie nennt man das, wenn man nur gucken darf, aber nicht angefasst wird? Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein: Blondheit war das gesuchte Wort und das hält einen leider ganz schön unten. Da kann man nur froh sein, dass sich mein eigentliches Naturell schon seit Jahrzehnten in einem wallenden Rotschopf widerspiegelt. Zur Feier des Tages gibt es daher heute die generalüberholte Freudenhymne für die verzückte Frau von morgen. Diese darf ich allerdings aus Gründen des unfassbar strengen Jugendschutzes nur ganz stark entschärft präsentieren und das tue ich jetzt also hiermit:
Die Melodie kommt möglicherweise etwas altbacken rüber, aber sie ist zumindest eine Adelige. Sie ist nämlich von Gestern.