Alles zersetzende Panikattacken

Ohne lange um den heißen Brei herumzureden kann ich dem interessierten Leser versichern, dass ich zu den Menschen gehöre, denen das Wesen der Panik in seiner ganzen Bandbreite vollkommen vertraut ist. Da mir zudem schon in der frühesten Kindheit eine Verantwortung auf die Schultern gelegt wurde, von der das Heil einer fünfköpfigen Familie abhing, kennt mein Energiekörper sich mit sämtlichen Angstzuständen aus, die zu empfinden ein Mensch in der Lage ist. Die alkoholkranke, tobsüchtige Mutter beispielsweise eskalierte seinerzeit einmal in einer solch heftigen Art und Weise, dass meine jüngeren Geschwister sich vor Angst beide gleichzeitig bepinkelten. Zu diesem Zeitpunkt war der Jüngste* von uns höchstens vier Jahre alt, die Schwester war ein Jahr älter und ich hatte mit zweieinhalb Jahren Abstand das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet. Da das Monster bereits in früheren Tagen durch ihr eruptives Wesen zuverlässig für Angst und Schrecken sorgte und ihre Zweitgeborene ihr in Puncto hemmungslosem Ausrasten in nichts nachstand, war meine Kindheit leider von sehr tiefem Unglück geprägt. Dieses Trauma belastet mich bis heute und das macht sich derzeit besonders stark bemerkbar. Aufgrund einer ungeklärten Erbschaftsangelegenheit hängt meine wirtschaftliche Existenz nämlich am seidenen Faden und mein geschundener Körper versagt mir schon lange den Dienst. Wenn also jemand meint, ich könne doch einfach mal wieder irgendwo die Putzfrau geben oder einer sonstigen Arbeit nachgehen, dann muss ich demjenigen inzwischen vehement widersprechen. Leider ist jedoch auch kein Prinz zu meiner Rettung greifbar und das mit dem Lottogewinn scheint ebenfalls nicht wie gewünscht zu funktionieren. Die letzten Ersparnisse werden mich möglicherweise noch zwei oder drei Monate beleuchten, aber dann wird es wohl dunkel werden bei mir. Leider weiß ich nämlich nicht, wie ich an mein Erbteil kommen soll, da meine Schwester seit dem Tod unseres Vaters alles blockiert, was damit zusammenhängt. Um ihre eigene Gesundheit wird es jedoch noch viel schlechter stehen als um meine, da sie aufgrund von langjährigem Fehlverhalten schon seit geraumer Zeit am diabetischen Fußsyndrom leidet. Die letzten Informationen diesbezüglich kamen mir vor einem Jahr zu Ohren und zu dieser Zeit war der rechte Fuß bereits verloren. (Wie man in einer solchen Situation auf den Gedanken kommt, die kleine Wäscherei der verstorbenen Eltern fortführen zu wollen, bleibt ein ewiges Rätsel).
Es gibt zwar einen Anwalt, der mit meinem Fall betraut ist. Leider sind die Dienstleistungen in der Rechtspflege jedoch exorbitant teuer und ich habe bereits mehrere tausend Euro opfern müssen, ohne dass es zu einem greifbaren Ergebnis gekommen wäre. Daher verzichte ich inzwischen sogar schon auf die Zahlungen meiner Krankenkassenbeiträge. Auch die in Kürze fällige Rate für die Grundsteuer werde ich nicht mehr leisten können. Das alles führt dazu, dass ich mich mittlerweile rund um die Uhr im Panikmodus befinde und inzwischen nicht mal mehr richtig schlafen kann. Ein Selbstmord wäre die vermutlich einfachste Lösung, aber das kann und darf ich mir und meinem kleinen Hundekind nicht antun. Außerdem ist die gesamtpolitische Lage derzeit ja leider so fürchterlich, dass ich nicht der einzige Mensch mit finanziellen Sorgen bin. Daher findet man momentan auch tonnenweise Überlebensvideos auf meiner Lieblingsplattform und das ist dann doch irgendwie tröstlich. Gut ist auch der Umstand, dass das von mir bewohnte alte Häuschen zur Hälfte mir gehört und daher zumindest mein Schlafplatz derzeit noch gesichert ist.
Aber ein familiärer Halt im Rücken wäre besser für mich, das steht ganz außer Frage. Leider ist mir dieser nicht gegeben, da unsere Eltern mich schon früh durch ihr Verhalten in die Isolation getrieben haben. Daher habe ich auch keinen Freundeskreis, auf den ich zurückgreifen könnte und das macht sich nun sehr negativ bemerkbar. Denn gäbe es auch nur einen einzigen Menschen, auf den ich bauen könnte, dann würde ich diesen dringend bitten, mich aus meinem feuchten und verfallenden Zuhause rauszuholen und mir energetisch mit Rat und Tat im Kampf für mein Recht zur Seite zu stehen. Verdient habe das nämlich nicht, so leben zu müssen. Aber ich kann sehr gut verstehen, dass meine Geschichte für unbedarfte Ohren durchaus auch anders klingen kann.

 

(*der Jüngste verstarb vor drei Jahren an den Folgen einer langjährigen Alkoholiker-Karriere und hinterließ die wohl größte Lücke in meinem Herzen, die man sich nur denken kann.)

05.08.2026 / 09:49