Man kann nicht alle retten
Da ich bereits in jungen Jahren immer wieder mit starken Schmerzen konfrontiert wurde, entwickelte ich im Lauf der Zeit vermutlich eine gewisse Toleranz gegenüber diesen. Weil jedoch alles im Leben endlich ist, begann sich diese Stärke irgendwann zunächst kaum erkennbar in ihr Gegenteil zu verkehren. Ich bezeichne diesen Moment inzwischen als den Punkt ohne Wiederkehr und dieser wurde wahrscheinlich erreicht, als der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen brachte. Denn meine erstaunliche Duldsamkeit gegenüber dem leidvollen Unwohlsein schwand zunächst unmerklich, ihr Verlust wurde jedoch immer deutlicher sichtbar. Anders lässt es sich zumindest für mich nicht erklären, weshalb ich mittlerweile schon auf geringfügige Strapazen, die mir damals lediglich zwei oder drei Tränen entlockt hätten, mit großer (wenn nicht sogar panischer) Empfindlichkeit reagiere. Deshalb fühle ich mich mittlerweile auch teilweise regelrecht wehleidig, was sich jedoch absolut nicht mehr ändern lässt. Vielleicht war ein bisher unbewusster Teil von mir es aber auch einfach nur leid, jeweils die Zähne fest zusammen zu beißen, da dies auch wieder nur neue Schwierigkeiten generiert (die der Zahnarzt später erst mühsam suchen und dann entsprechend behandeln darf).
Ich musste dies jetzt kurz etwas ausführlicher erläutern, um sichtbar werden zu lassen, weshalb bereits einige wenige Birnen zu einem Desaster führen konnten, welches mich nun schon seit Tagen äußerst negativ beschäftigt. Denn ich nahm aus einem großen Bedauern heraus mehr von diesen zu mir, als mein Körper verkraften konnte. Es tut mir nämlich unendlich leid, das schöne Obst vergammeln zu sehen. Aber selbst die Nachbarn können mir nicht wirklich dabei helfen, alle Birnen zu retten, zumal heutzutage kaum noch jemand die Kunst des Einkochens beherrscht. Als alleinstehender Mensch tut man sich dies erst recht nicht an und so führte dann eins zum anderen. Meine Bauchschmerzen sind jedenfalls nicht von dieser Welt, da aus dem übermäßigen Verzehr unterschiedlich gereifter Birnen Prozesse im Bauch ausgelöst wurden, die sich besonders an der fragilen Stelle eines noch immer offenen Gewebebruchs sehr ungünstig bemerkbar machen. Man sagt "Nur Sterben ist schöner" und ich habe dem nichts weiter hinzuzufügen. Dass mein Körper allerdings noch immer der Belastung jener eigentlich kleinen Hernie ausgesetzt ist, hat jedoch nicht nur mit dem Verlust meiner Krankenversicherung zu tun. Dass der größere beider Brüche im letzten Sommer erfolgreich operiert werden konnte, hing ja eigentlich auch nur mit dem leider unzureichend gelösten Problem der Versorgung meines Männleins zusammen, für den mein plötzliches Verschwinden traumatisch gewesen sein muss. Daher wollte ich die andere Seite erst behandeln lassen, wenn ich den kleinen Kerl während meiner Abwesenheit in guten Händen weiß. Aber woher nehmen und nicht stehlen, sage ich da nur. Also muss ich weiter leiden und das ist gar nicht mal so einfach.
06.09.2026 / 07:10