Rückwärts reich sein für Neugierige

Meine lieben Freunde der strukturellen Fragilität! Es kommt leider häufiger vor, dass ich bestimmte Themen oder die Vertiefung derselbigen auf später verschiebe, ohne jedoch ein genaueres Datum zu nennen. Dies hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich mich zuletzt verstärkt zu Themen meiner eigenen Vergangenheit äußerte und diese bekanntermaßen nicht ganz schmerzfrei war. Dass so etwas zu gelegentlichen Erschütterungen führt, konnte man sicherlich längst ohne große Mühe erkennen, daher brauche ich dazu wohl nicht mehr viel zu sagen. Wenn wieder ein gewisser Abstand zu den Dingen eingetreten ist, werde ich die nötigen Abschlüsse noch nachholen, das ist doch klar. Wenn es sich allerdings um solche Sachen handelt, wie das gestern kurz angerissene, leider inzwischen sehr schmerzhafte Knie, dann kann ich natürlich den Faden bereits kurze Zeit später wieder aufgreifen. Und das führt mich heute auch direkt zu einer Sache, über die man sowohl lachen, als auch weinen könnte, aber das hängt natürlich ganz vom Wetter ab. Denn dass wir alle nicht jünger werden, steht leider gar nicht erst zur Diskussion. Wohl kann man sich aber fragen, wo denn bei manchen Leuten die Zeit geblieben ist und dies betrifft auch mich in mancherlei Hinsicht.
Einerseits bin ich nun zwar in der erotischsten Zeit meines Lebens, da ich inzwischen aus dem Stöhnen nicht mehr herauskomme und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Bett möchte. Andererseits ist es für mich durchaus ein Grund zur Freude, dass die Spuren der Zeit an meinem Gesicht  bisher wirklich überaus großzügig vorübergingen. Auch die Tatsache, dass ich noch in die Flip-Flops vom letzten Jahr passe, gibt mir keinen Grund zu überhöhtem Stolz. Denn wer genauer hinsieht, der sollte den beginnenden Verfall trotzdem ganz gut erkennen können. Daher wird man sich auch nicht wundern, wenn die optisch formidable Sechzigjährige "es mit den Knochen hat", das ist schließlich bei vielen Menschen so. Wenn man als zwar einerseits körperlich schon länger gebrechliche, aber im Inneren weiterhin unglaublich starke Person dann vom Rückwärts-reich-sein spricht, sollten Außenstehende daher aufmerksam zuhören. Man könnte nämlich noch was lernen. Ich selber habe es schließlich ebenfalls von anderen übernommen und hierbei sind besonders die Schotten für mich in federführender Position. Durch diese weiß man nämlich schon länger, dass man mehr Geld sparen kann, wenn man nicht hinter dem Bus herläuft, sondern hinter einem Taxi. Auch in der Kneipe ergibt es mehr Sinn, sich keinen Whisky zu bestellen. Denn kein Bier trinken kann schließlich jeder, mit solchen Kleinigkeiten geben wir Sparfüchse uns daher gar nicht erst ab. Im Restaurant gibt es kein Rumpsteak zu essen und im Kleiderschrank hängt kein teurer Pelzmantel. Wir tragen lieber Biber, das ist auch für die Umwelt besser. Und wenn ich mir zu Hause ein schönes Bild von einer luxuriösen Strandvilla an die Wand hänge und meinen Blick dann auf den eigenen Besitz in cooler Lost-Place-Optik lenke, freuen sich Körper und Geist gleichermaßen. Denn soviel Geld auf einen Haufen habe ich selten gespart. Und dass Beste daran ist, dass ich es gar nicht erst verdienen musste, daher kann es mir auch später nicht verloren gehen.
Wenn man sich dazu noch überlegt, dass bereits Kurzstreckenfahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in unserer Region zwischen 2,90 - 3,50 €für eine Einzelfahrt kosten, dann nimmt man gerne die zu erwartenden Knieschmerzen nach einem elendig langen Spaziergang in Kauf. Das auf diese Weise gesparte Geld konnte zudem vollumfänglich dem lieben Hundekind zugute kommen. Bei diesen Preisen braucht man nämlich nicht erst auf ein mögliches Taxi zu warten, um dann hinter diesem herzulaufen. Man hätte so zwar noch mehr Geld gespart, aber Zeit ist ja auch irgendwie Kapital. Und Termine sind nun mal Termine, die besonders dann eine große Rolle spielen, wenn es um die Wahrung der eigenen Interessen geht. Da mein Geldinstitut leider nicht um die Ecke liegt, konnte ich tatsächlich sämtliche finanziellen Einsparungen meines ermüdenden Gewaltmarsches in mein kleines Männlein investieren. Besser geht es nicht, SO geht nun mal Reichtum im Rückwärtsgang. Und für mich gab es gestern ein schönes Leberwurstbrot, dass ich liebevoll mit dem Foto eines knusprigen Brathähnchens garnierte. Also echt Leute, Krösus war doch wirklich nichts gegen mich, oder was sagt ihr dazu? Von daher wünsche euch nun ebenfalls viel Spaß beim Sparen und einen schönen Samstag wünsche ich euch auch.

29.08.2026 / 14:40