Aufschlussreiche Aktivitätenliste

Manche Narben der Seele melden sich in den seltsamsten Momenten. Das ist so, als wenn man aufmerksam der jüngsten Kartenlegung seines besten Widders lauschte und dieser darin einen gewissen Rückzug empfahl. Möglicherweise wurde in diesem Moment ein Teil in meinem Inneren berührt, der als dezentes Hintergrundrauschen schon seit Tagen nach meiner Aufmerksamkeit verlangte. Und plötzlich kam es mir in den Sinn, mich mal mit meinem YouTube-Verlauf zu befassen. Genaugenommen ging es mir um meine gesammelten Kommentare, von denen ich nun so einige ganz still und leise entfernen musste. Ich habe mich mittlerweile zwar an eine gewisse Sichtbarkeit gewöhnt und bin zudem der Meinung, dass diese kleinen Fragmente meiner Existenz nicht wirklich wichtig sind. Aber manches fühlte sich für mich im Nachhinein trotzdem eher peinlich an, daher wollte ich es endlich gelöscht wissen. Dies betrifft vor allem und im besonderen Maße die Kanäle unserer politischen Landwirte und das hängt mit der jeweiligen Community zusammen. Man findet dort neben den üblichen Verdächtigen nämlich leider auch eine regelrechte Fanbase vor und mit dieser möchte ich unter keinen Umständen in einen Topf geworfen werden. Ebenso ungern mag ich es, wenn andere Kommentare haufenweise Likes bekamen und ich selber leer ausging. Denn obwohl ich nicht wirklich auf die Aufmerksamkeit der breiten Masse schiele, bekümmert mich das einsame Verharren im Hintertreffen dann doch irgendwann. Muss man ja nicht groß drüber diskutieren, tut halt weh. Da lob ich mir den lieben Kolja, da es bei Aktien mit Kopf in erster Linie tatsächlich immer nur um die Sache zu gehen scheint und nicht um irgendeinen Honig, der ihm als Kanaleigner um den Bart geschmiert werden soll.
In diesem Zusammenhang fällt mir diese "Gemeinschaft" ein, die irgendwie mit Schiffen zu tun hat und in welcher ich auch mal versuchte Fuß zu fassen. Mir verging es jedoch recht schnell, denn Zensur und Personenkult sind nun mal nicht so meins. Sollte man also auf einem Kanal unterwegs sein, der hauptsächlich Live-Streams sendet, dann sollte man auch den dazugehörigen Chat mal genauer unter die Lupe nehmen. Wenn man nämlich sowohl auf einen Begrüßungsmarathon stößt, als auch von Spenden-Orgien erschlagen wird, dann ist eine gewisse Vorsicht durchaus geboten. Wenn es dazu noch einen Kanal-Betreiber hat, der durch namentliche Nennung der einzelnen Spender den Geldfluss zusätzlich stimuliert (selbst wenn es nur zwei Euro waren) und alle anderen außer Acht lässt, dann könnte das den Eindruck einer Sekte vermitteln. Keine Kritik, nichts Politisches und immer schön den Eigner loben - das wirkte auf mich sehr befremdlich und verlangte daher nach dringendem Rückzug. Ist zwar schade, aber dann muss ich mir die Schiffe halt ohne Ton geben - oder ganz darauf verzichten. Eine Mitgliedschaft braucht es dafür allerdings nicht, denn soweit hatten die mich schon. Kostete seinerzeit noch bescheidene 1,99 im Monat*, aber das lohnt sich nicht. Nur um dazuzugehören? Bei diesen eingebildeten Leuten? Manche von den Chatteilnehmern nehmen sich nämlich unfassbar wichtig und merken nicht, wie dumm sie sich dabei teilweise verhalten. Und den Betreiber zu unterstützen fällt einem als finanzschwachen Menschen ohnehin eher schwer, daher kann ich auch hier dem lieben Manuel nur beipflichten: Der Rückzug von dieser Gruppe war für mich kein allzu großer Verlust und ich feiere ihn heute noch. (* ich hörte,  die Preise wurde inzwischen sogar erhöht)
Die nächste für mich zu absolvierende Übung wird nun sein, mich selber mit genau jener Sanftheit zu behandeln, nach welcher ich mich schon als Kind vergeblich sehnte. Denn auch diese schöne Empfehlung hatte der empathische Widder mit im Gepäck. Und da ich mir erst unlängst eine kleine Watte-Bürste kaufte, mit welcher man ganz zart sein eigenes Gesicht verwöhnen kann, will ich diesem Ratschlag nun ebenfalls sehr gerne folgen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang mit Beschämung vor mir selber an meine Mitstreiter aus der Gruppentherapie, welche mich schon damals fragten: "Warum bist du so hart zu dir selbst?" Tja, das ist eine gute Frage, welche von mir endlich mal aufgelöst werden sollte. Man würde sich beim Wohlsein sogar helfen lassen, selbst auf die Gefahr hin, dass es eskaliert. Aber das ist natürlich nicht zwingend und obwohl ich derzeit wieder öfter wegen meiner Einsamkeit weinen muss, halte ich mich auch weiterhin allein. Ob mein Haus allerdings noch lange mitmacht, scheint in genau diesem Moment etwas fragwürdig zu sein. Ich registriere nämlich zur Zeit ein ständiges Knacken, welches mich allmählich in eine subtile Sorge versetzt. Es gibt zwar keine sichtbaren Risse und  an der Stelle, von der diese Geräusche zu kommen scheinen, verlaufen von außen die Kabel der Telekom. Aber jene Tonlage kenne ich eigentlich schon länger, daher beunruhigte mich das bisher nicht so sehr. Es haben sich jedoch weitere Geräusche hinzugesellt und das irritiert mich nun doch etwas.

13.08.2026 / 08:32