Als es anfing aufzuhören
Nichts ist schlimmer, als wenn ein Mensch die Hoffnung verliert. Ich selber könnte ganz Bücher darüber schreiben, denn mit enttäuschten Erwartungen kenne ich mich wirklich sehr gut aus. Mittlerweile habe ich jedoch so viel über dieses Thema gelernt, dass ich nun die allgemeine Sinnlosigkeit anerkennen muss. Das bedeutet für mich einen weiteren großen Schmerz im Herzen, da ich lange an ein völlig falsches Bild der Liebe glaubte. Denn auch ich habe den Fehler gemacht, diese wie ein Tauschgeschäft zu betrachten. Das ist in unserer Kultur nun mal so üblich. Und als ich vor Jahren das Gefühl bekam, endlich das passende Gefäß für meine reichhaltigen Gefühle gefunden zu haben, legte ich dadurch unbewusst den Grundstein für eins der größten Missverständnisse meines Lebens. Ich dachte wirklich aufgrund einer Vision, ich wäre jenem speziellen Menschen aufrichtig willkommen, was jedoch ein fataler Irrtum war. Diesen Trugschluss wollte ich jedoch lange nicht wahrhaben und das ist so typisch für mich. Mit dem Kopf durch die Wand - das könnte absolut mein Motto sein. Von diesem musste ich mich nun jedoch verabschieden. Es fing allerdings schon vor längerer Zeit an, da ich mich bezüglich meiner Erwartungshaltung gründlich hinterfragen musste. Denn dass meine aufrichtige Liebe abgelehnt wurde, war einerseits ein gewaltiger Schlag für mich. Andererseits ist dies aber leider so gar nicht neu in meiner Biografie. Das habe ich schließlich schon als kleines Mädchen erlebt. "Hau ab, du gehst mir auf die Nerven mit deinem ewigen Geschmuse!" - diese Worte versteht schließlich jedes Kind genau. Das Gefühl, welches man daraufhin entwickelt, lässt sich durchaus am ehesten mit Scheiße beschreiben. Denn natürlich fühlt es sich so an, als wäre man ein unwürdiges Insekt, das mit den Füßen zertrampelt werden muss.
Allerdings ist es am Ende des Tages so, dass man eine Erwiderung seiner Zuneigung ohnehin niemals erwarten sollte. Man selber kann schließlich auch nicht jede Person uneingeschränkt leiden. Und das mit der Zuneigung ist heutzutage noch mal so schwer geworden. Denn die Menschen werden immer verrückter. Genau das (und noch einiges mehr) sah ich jedoch damals schon kommen und zwar in einer weiteren, glasklaren Vision. Ich glaubte also ganz unbedingt, dass ich mich mit dem von mir als erkannt geglaubten Menschen dringend zusammentun müsste, um uns beide vor künftigem Schaden zu bewahren. Gemeinsam ist man nun mal stärker. Allerdings bedachte ich seinerzeit nicht, dass jener Mensch möglicherweise längst nicht mehr alleine ist. Denn eben das habe ich lange vermutet, da ich mich eigentlich nicht um Gesellschaftsklatsch kümmere. Und seine Situation kannte ich halt nur von früher und aus weiter Ferne heraus. Mein Kenntnisstand in diesen Tagen war also leider ein komplett irreführender, denn ich fiel zudem auf ein altes Gerücht herein. Das ist alleine meine Schuld. Dieses liebe Gesicht aus meinen Träumen wäre ebenso vom Konzept der großen Liebe überzeugt wie ich, dem Glauben war ich in grenzenloser Naivität furchtbar lange verfallen. Das hat mich nicht nur unfassbar viel Zeit gekostet, sondern bedeutete auch ein Meer voller Tränen. Außerdem habe ich mich über die Jahre hinweg einer Lächerlichkeit preisgegeben, die ihresgleichen sucht. Niemand wünscht sich zudem, lediglich eine Möglichkeit zu sein und Menschen meines Kalibers wollen das schon gar nicht. Wer mich anstelle seiner Priorität nur als Option behandelt, dem muss ich deswegen irgendwann auch mal meine Grenzen zeigen. Das ist eine Frage der Ehre, das versteht sich ja von selbst.
Dass ich mich inzwischen also keiner wertlosen Hoffnung mehr hingebe, ist allerdings ebenfalls klar. Meine Tür bleibt zwar weiter offen, jedoch nur noch für das Richtige. Ich nahm daher gerne die Hilfe der geistigen Welt in Anspruch, welche mir einen starken Schutz zur Seite stellte. Diesen kann zwar niemand sehen, aber er funktioniert trotzdem ganz hervorragend. Ich kann mir nun sicher sein, dass schlechte Absichten mein Haus nicht mehr so einfach betreten können. Ebenso wenig darf man mir diese unterstellen, denn damit beleidigt man das gesamte Gefüge. Und das wollen wir natürlich nicht. Ich habe zudem aufgehört, nach der Liebe zu fragen, weil diese eigentlich längst in mir ist. Wie sich das künftig in meinem Leben manifestieren wird, weiß ich zwar nicht. Ich möchte mir jedoch kein Bild mehr davon machen, weil solch eine Haltung immer in einer Enttäuschung münden muss.
19.09.2026 / 12:34