Als ich mich selber bezahlt musste
Wenn man die verschiedenen, bisher veröffentlichten Fragmente meiner unglaublichen Geschichte betrachtet, dann kann man sich eigentlich nur noch wundern. Ob ich denn nie den Wunsch hatte zu fliehen wird man sich fragen (doch hatte ich - und bin ich auch), oder weshalb ich dem ganzen Wahnsinn nicht irgendwann hätte auf andere Weise ein Ende setzen können. Nun, ich stand lange Jahre diesbezüglich selber vor einem unlösbaren Rätsel. Und je dringender ich dieses knacken wollte, umso entfernter schien mir eine passende Antwort zu sein. Zunächst können wir allerdings bereits jetzt schon für das Protokoll festhalten, dass zu allem Unglück auch noch ein langjähriger, sexueller Missbrauch durch meinen Großvater mütterlicherseits stattgefunden hatte, welcher mich im Alter von sechzehn Jahren in eine zehn Jahre währende Bulimie trieb. Dass auch ich in meinen jüngeren Jahren zudem einer auf alkoholischem Wege zu erreichenden Betäubung nicht unbedingt abgeneigt war, sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Ich bin in der Zeit zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr einmal sogar so heftig abgestürzt, dass ich deshalb zeitweilig auf der Straße gelebt habe.
So etwas vergisst man nicht - erst recht nicht, wenn man seinem "Kollektiv" durch geschickt platzierte Kreidezeichnungen auf der Domplatte einen vergnüglichen Abend erwirtschaften konnte. Dabei habe ich damals einfach nur den Werner Brösel auf seinem Motorrad gemalt, während andere Künstler sich u.a. mit der Mona Lisa abmühen mussten. Das "große" Geld bekamen jedoch wir, was mir bis heute wie ein kleines Wunder erscheint. Geschlafen habe ich in dieser Zeit teilweise sogar im Wärterhäuschen der Herrentoilette vom Dom, welche unterirdisch gelegen war. Ganz unten angekommen trifft es daher wohl ganz gut. Es war jedoch nicht mein einziger Absturz und so peinlich mir das heute ist, so sicher zog es mich damals jeweils wieder zu meiner Familie zurück. Wirklich ausgezogen bin ich tatsächlich sogar erst kurz vor meinem Dreißigsten und damit war ich gar nicht mal alleine. Mein lieber Bruder hat nämlich auch recht lange bei den Eltern ausharren müssen. Allerdings hat er den Absprung nie wirklich geschafft, da er nur kurz eine eigene Wohnung bewohnen konnte. Durch die Arbeit bei den Eltern ist er nämlich später in einen Nebenraum der neuen Wäscherei übergesiedelt, welche die Familie auf einem zu diesem Zwecke erworbenen Grundstück in einer von Hand hochgezogenen Lagerhalle neu etabliert hatte. Die Kölner Zeiten waren damit passé und nicht lange danach auch bereits aus den Köpfen verschwunden.
Es hat seine Gründe, weshalb ich diesen traurigen Teil meiner Biografie hier kurz anreiße. Um zu verstehen, weshalb der Typ meiner Schwester sich in seinem Beamtenkopf einen dunklen Plan bezüglich des Zugriffs auf unser "Vermögen" erdacht haben muss, sollte man nämlich ein wenig mit den Eckdaten vertraut sein.
Dass meine Schwester dumm ist, wird inzwischen sicherlich bekannt sein. Da sie jedoch zudem auch einen ziemlich geldgeilen Charakter besitzt, konnte man ihr vermutlich geschickt platzierte Flöhe in die Ohren setzen. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb sie kurz vor Erreichen einer zehnjährigen Betriebszugehörigkeit beim Kaufhof (sie war dort als Küchenhilfe beschäftigt gewesen) ihre Arbeit aufgab und sich dadurch einer eigentlich schon sicheren Betriebsrente beraubte. Stattdessen musste mein Bruder, dem die Firma offiziell schon gehörte, sie als Angestellte übernehmen und mich von meinem Platz an der Mangel entfernen. Zu dieser Zeit war ich dort auf 400,- Euro-Basis beschäftigt und bekam den Rest vom Amt aufgestockt. Über dieses Drama werde ich - wen wundert´s - einen eigenen Artikel verfassen. Das tiefe Leid, nun in die dunkelste Ecke ans Bügelbrett abgeschoben worden zu sein, will ich aber hiermit schon sichtbar machen, da es für mich der Anfang vom Ende war. Es sollte jedoch noch zwei weitere, elendig lange Jahre dauern, bis ich mich endlich befreien konnte. Dass der Partner meiner Schwester sich in dieser Zeit bereits kräftig schleimend an unseren Vater angeheftet hatte, befremdete mich jedoch damals schon.
Wie sich später alles in eine bestimmte Richtung entwickelte, werde ich beim nächsten Mal berichten. Den verdorbenen Charakter des kleinen Prinzen offenbare ich aber jetzt schon gerne. Denn nachdem ich lange Jahre mit dem Laden nichts mehr am Hut hatte, wurde ich im Sommer ´23 nach dem Tod meines Bruders von meinem Vater leider wieder an die Mangel zitiert. Diesen Platz behielt ich auch noch nach seinem Tod, da meine Schwester und ihr Prinzgemahl die Wäscherei angeblich nur bis zu ihrer Abwicklung weiterführen wollten. Da ich damals aber schon seit bereits drei Jahren keine Grundsicherung mehr beziehen durfte (ich hatte bei meinem Vater das Erbteil der Mutter nicht eingeklagt), war ich auf das Geld angewiesen. Und jetzt ratet mal, was ich auf den Quittungen jeweils per Unterschrift bezeugen musste? Richtig! Ich habe angeblich "Unterhalt" bekommen und keinen Lohn. Denn auf diese Weise wollte man mir das Geld nachher vom Erbe abziehen. Ich habe mich also selbst bezahlt für einen Gewinn, den die anderen durch meine von starken Schmerzen durchzogene Schufterei gemacht haben. Aber was erwartet man von einem, der sich mit falschen Krankschreibungen eine Frühpensionierung bei der Stadt erschlichen hatte?
20.08.2026 / 19:23