Falter sucht Garten

Wenn es etwas gibt, dass ich meide wie der Teufel das Weihwasser, dann sind es Kontaktanzeigen. Für mich ist der Gedanke, mich selbst zum Markt zu tragen dermaßen absurd, dass ich meine Nase nicht mal in die Reichweite eines solch zweifelhaften Vergnügens bringen möchte. Man hört zwar immer wieder von amüsanten Formulierungen (hügeliges Weideland sucht Pfosten um Grenzen zu setzen etwa), aber insgesamt scheint mir die Möglichkeit eines Volltreffers doch eher überschaubar zu sein. Man braucht sich doch nur mal zu überlegen, dass auf der anderen Seite des Geschehens in Wahrheit ein dunkelhäutiger Scammer aus Afrika sitzen könnte, der einem zum Zwecke der Geldverschiebung das reine Blaue vom Himmel verspricht. Wie peinlich muss es sein, wenn man auf so einen Schwurbelkram reinfällt und sich wie eine Weihnachtsgans ausnehmen lässt? Man fragt sich allerdings schon des Öfteren, wo manche ihr Gehirn gelassen haben. Denn irgendwann mittendrin muss es doch leise klingende Alarmglocken im Hinterkopf gegeben haben, schließlich verfügt jeder Mensch über solche Mechanismen. Aber ich habe natürlich gut reden, da ich aufgrund einer bereits recht gut entwickelten Selbstliebe inzwischen ziemlich immun gegen viele Spielarten der Manipulation geworden bin. Man soll zwar niemals nie sagen, aber ich bin trotzdem dahingehend zuversichtlich.
Wenn es einer schafft mich aufs Glatteis zu führen, dann bin ich das daher am ehesten selber, davon habe ich ja erst in meinem letzten Posting erzählt. Denn das Alleinsein bekommt mir phasenweise leider weniger gut, da kommt es dann halt zu gelegentlichen Lagerkollern. Wobei ich allerdings sagen muss, dass gelegentlich bei mir öfters ist. Also eigentlich täglich, um genau zu sein. Da ich jedoch sehr stark daran gewöhnt bin, mich nicht zu beschweren, versuche ich es weiterhin so tapfer wie ein Mann zu ertragen. Und da sich jene bedauerliche Situation nun schon seit Jahrzehnten für mich unverändert darstellt, wurde diese mit der Zeit so brüchig für mich, dass sie mich eigentlich nur noch mit Mühe tragen kann. Ich erwarte daher in Kürze wenigstens zwei Dinge gleichzeitig: Einerseits sehe ich den völligen Zusammenbruch mit riesigen Schritten auf mich zukommen. Andererseits scheint dieser jedoch eine wunderschöne Tapferkeitsmedaille mit sich zu führen, was mich mal wieder auf das Thema der eigenen Wertigkeit bringt. Diese konnte ich nämlich bisher in meinem Leben absolut nicht angemessen ermitteln, geschweige denn, dass ich meinen Wert hätte beziffern können. Wenn ich nun also zum Beispiel versuche, einen Ratgeber über das Manifestieren von Reichtum zu verinnerlichen, dann kann ich zwar über vieles andere gut phantasieren. Nur Geld kann ich mir kaum vorstellen, aber das geht wohl vielen so. Was ich nun aber leider ebenso wenig gut kann, ist das Wünschen. Und auch hier liegt die Ursache in meinem Elternhaus begründet, was inzwischen niemanden mehr verwundern sollte.
Wer es immer wieder erleben musste, wie den eigenen Träumen ein empfindlicher Dämpfer verpasst wurde, der wird vermutlich diese Träume so lange auf ein brauchbares Maß reduzieren, bis von ihnen nichts mehr übrig bleibt. Das ist so, als wenn sich ein kleines Mädchen eine süße blonde Puppe wünscht und eine süße dunkelhaarige geschenkt bekommt. Süß ist diese schließlich auch, da sie über das gleiche Gesicht verfügt. Aber sie ist eben nicht blond, was einem kleinen Stich ins Herz gleichkommt. Man erhält die gewünschte rote Stehlampe von den Eltern, jedoch nicht im geliebten Signalrot, sondern im eher unscheinbaren weinrot und auch das ist irgendwie bitter. Schwarz-Silber statt Braun-Gold, Kirsche anstelle von Erdbeere oder Zitronen für Orangen - eben immer diese gewisse Spur daneben. Das musste man letztlich als Absicht erkennen, da hat es einem jemand nicht wirklich gegönnt. Und das hinterließ dann irgendwann doch seine Spuren in der Zuversicht, so ist das nun mal. Wenn ich also davon spreche, dass ich mir eigentlich keine Illusionen mehr machen möchte, dann mag das zunächst vielleicht traurig klingen. Aber eigentlich ist es nur ein reines Bewusstsein und dieses möchte ich im Leben nicht mehr missen. Denn was zu mir gehört, das wird mir ganz sicher zuteil werden. Wo kämen denn sonst meine Frühlingsgefühle her oder diese jugendlichen Stimmungsschwankungen etwa? Immerhin ging ich durch die schwierigsten Transformationen meines Lebens und kam aus diesen als durchaus schöner Schmetterling hervor. Daher suche ich nun den passenden Garten für mich und dieser darf gerne auch groß sein. ;-)

19.09.2026 / 19:00