Das wird ein harter Winter

Erinnert sich noch jemand an den Witz mit den Indianern, die ihren Häuptling fragten, wie der Winter werden wird? Sein legendäre Antwort darf man heute durchaus als Metapher begreifen, denn natürlich empfahl jener Stammesführer seinen Leuten in weiser Voraussicht kräftig Holz zu sammeln, da ein harter Winter zu erwarten sei. Die Probleme, welche ihm aus dieser Aussage erwuchsen, könnte man tatsächlich mit der heutigen Klimahysterie vergleichen, denn natürlich war der Winter das genaue Gegenteil der angekündigten Prognose. Und nachdem sich diese Fehlinterpretation über einige Jahre fortsetzte, musste der Häuptling allmählich um seinen Status fürchten. Denn als Oberster seiner Gemeinde wollte er ja nicht nur das Beste für sein Volk erreichen, sondern er musste zudem auch sein altehrwürdiges Gesicht weiterhin wahren. Daher fuhr er heimlich und inkognito zum nächstgelegenen Wetteramt, um sich dort über den Stand der Dinge zu informieren. Wir alle kennen bereits die Antwort, die ich der Form halber trotzdem noch mal hier zu Papier bringen werde. Was er dort nämlich erfahren musste, war jene weit über die Zeit hinaus berühmt gewordene Aussage: "Wir rechnen mit einem unglaublich harten Winter, denn die Indianer sammeln schon seit Jahren Holz!"
Was lernen wir nun also aus jener kleinen Parabel? Erstens steht durch diese Geschichte zweifelsfrei fest, dass niemand allwissend ist. Zweitens darf man sich natürlich schon ein bisschen darüber wundern, warum die Indianer so klaglos der Einschätzung ihres Häuptling folgten und trotz besseren Erlebens weiterhin seiner Anweisung folgten. Und drittens können wir ganz eindeutig erkennen, dass niemand eine Insel ist. Dies betrifft sogar solche Menschen wie mich, die sich lange Zeit für vollkommen unsichtbar hielt. Nachdem ich jedoch erkennen musste, dass selbst meine eher stillen Aktionen zu gewissen Resonanzen führen und es zudem sogar zu Reaktionen auf mich kommt, die ich selber nicht bewusst verursacht habe, war ich zunächst regelrecht erschüttert. Man weiß ja inzwischen, dass ich leider lange den Komplex des schwarzen Schafes getragen habe, daher wird einen meine Einstellung bezüglich meiner Außenwirkung jetzt nicht unbedingt wundern. Überraschenderweise kommt es jedoch immer häufiger zu einer positiven Erwiderung meiner selbst, was sich für mich zunächst zwar weiterhin ungewohnt anfühlt. Aber schön ist das trotzdem und ich erkenne zudem, dass ich mit meiner Meinung absolut nicht mehr alleine dastehe.
Nachdem ich nun erst unlängst noch über meine Schlafprobleme räsonierte und das fehlende Schuldbewusstsein beklagte, musste ich mir allerdings doch ein unbewusst schlechtes Gewissen eingestehen. Dieses hatte sich vermutlich schleichend in mir verfestigt, was möglicherweise mit meiner ausgeprägten Neigung zur Vorratshaltung zusammenhängt. Denn wenn man weiß, dass man mit den Ressourcen eigentlich streng wirtschaften müsste, dann kommen einem Einkäufe ab einer gewissen Menge seltsam vor. Das musste ich erst heute wieder erleben. Da ich allerdings preisbewusst einkaufe, sind Familienpackungen von Dosentomaten und Nudeln aus dem Angebot nicht per se als Konsumrausch zu bezeichnen. Daher denke ich mir, dass ich ein schlechtes Gewissen eigentlich gar nicht nötig hätte. Trotzdem fühle ich mich ein klein wenig wie jener Häuptling aus der Eingangserzählung, da ich mich auf schlechte Zeiten einrichte, die vielleicht nie kommen werden. Zudem habe ich mein Konto gestern tatsächlich abhärten lassen, um es vor dem Zugriff gewisser Behörden zu sichern und auch meine Truhen sind derzeit so gut gefüllt wie nie. Daher kann der Winter also werden, wie er will. Ich bin auf alles gewappnet und ich habe sogar Holz in ausreichenden Mengen gelagert. Ich darf jetzt nur nicht schwer erkranken und mein Knie darf auch nicht schlappmachen. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

28.08.2026 / 13:14