Nichtstun nach Art des Hauses

Wenn eine Person meines Naturells von gepflegter Langeweile spricht, dann hat das mit allem anderen zu tun, nur nicht mit untätigem Müßiggang. Es war mir schon immer unbegreiflich, dass manche Menschen stundenlang wie erstarrt vor dem Fernseher sitzen können oder dazu in der Lage sind, ihre kostbare Zeit auf sonstige Weise sinnlos zu verplempern. Das ist bei mir völlig anders, was allerdings nicht nur aus den sprichwörtlichen Hummeln im Hintern resultiert. Auch mein Gewissen würde sich nämlich unangenehm regen, wenn ich nur Löcher in die Luft gucken würde. Deshalb kann ich selbst in Momenten von großem Unwohlsein nur selten komplett abschalten und das wirkt auf andere Menschen gelegentlich befremdlich. Wie kann jemand aber auch behaupten, unter starken Schmerzen zu leiden und trotzdem lächelnd im Garten arbeiten? Oder sich in Phasen massiver Rückenprobleme der umfangreichen Renovierung des eigenen Zuhauses widmen? Selbst gestern fand ich trotz meiner heftigen Unterleibsschmerzen mal wieder keine echte Ruhe und das ist so typisch für mich. Es ging jedoch ein wirklich unfassbar schöner Wind durch den Garten und dieser animierte mich in fröhlicher Weise zur ohnehin geplanten Reinigung der Bettwäsche. Wie ich ja bereits erzählte, ist das für mich immer eine besonders anspruchsvolle Angelegenheit, da ich meine Wäsche schon seit ungezählten Monaten von Hand erledigen muss und das Auswringen stets entsprechend anstrengend ist. Da muss man doch zugreifen, oder?
Das Wetter hat mir also wieder ganz wunderbar dabei geholfen, mein Bettzeug frisch zu halten und das ist etwas, worüber ich jedes Mal sehr glücklich bin. Denn in frisch bezogenen Kissen zu liegen, gehört für mich zu den besonders schönen Dingen des Lebens und ich genieße diesen Luxus, sooft ich nur kann. Noch besser wird es natürlich, wenn ich mich selber ebenfalls in bestmöglichem Zustand befinde. Denn es sind diese kleinen Annehmlichkeiten, die mir täglich eine so große Freude bereiten, dass ich dafür gerne die damit verbundenen Schwierigkeiten in Kauf nehme. Allerdings steht für mich oft auch eine schmerzhafte Erinnerung dahinter, da ich die vielen Dinge, die einem das Leben komfortabel machen, früher vor allem für andere Menschen tat. Deshalb arbeite ich zum Beispiel heute nur noch in meinem eigenen Haushalt, weil ich nun mal die wichtigste Person in meinem Leben bin. Auch die eigene Schlafstätte frisch zu halten wurde längst zu einem Liebesdienst am eigenen Selbst. Denn da ich lange Zeit im Hotel als Zimmermädchen geschuftet habe - so ich in der Familienwäscherei nicht gebraucht wurde - musste ich diese körperlich fordernde Arbeit leider zu miserablen Konditionen für wildfremde Menschen verrichten. Wieviel ehrenvoller ist es daher, jenen Kraftaufwand für sich selber zu beanspruchen und zwar in der jeweils bestmöglichen Ausführung? Und so geht es mir inzwischen mit vielen Dingen, die ich damals als teils furchtbar anstrengend und verstörend empfand. Wenn die Mutter mich beispielsweise dazu anhielt, ihr die Ingredienzen der Salate für die häufig in unserem Haus stattfindenden Partys so klein wie nur irgend möglich zu schneiden, dann war das seinerzeit jeweils mit einer gewissen Quälerei verbunden. Heute freue ich mich aber umso mehr, wenn meine eigenen Gerichte aus den feinsten Komponenten bestehen, die ich für mich erzeugen kann. Winzige Speckwürfel und fein gewiegte Zwiebeln zu generieren wurde für mich nämlich so normal wie das Luftholen und daher sind diese weiterhin aufwändigen Arbeiten eigentlich keiner Rede mehr wert. Aber wenn man mal ein bisschen darüber nachdenkt, dann erinnert man sich wieder an jene Leute, bei denen eher das Grobkörnige der Normalität entspricht und das hängt oft genug einfach nur mit deren Faulheit zusammen (das ist natürlich vor allem ein kleiner Seitenhieb in Richtung meiner dummen Schwester). 

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05.09.2026 / 06:47