Betten kann man immer brauchen

Es gibt Dinge, die man erst versteht, wenn man selber davon betroffen ist. Es wundert mich daher kaum noch, wenn die lieben Urbexer manchmal Lost Places besuchen, in denen es durch das gesamte Objekt hindurch von Betten nur so zu wimmeln scheint. Besonders erstaunlich wirkte sich in diesem Zusammenhang jene Schlafstätte aus, die in einem Esszimmer gefunden wurde und zwar in richtig guter Verarbeitung. Aber wenn man bedenkt, dass manche Menschen schwer krank werden im Lauf der Zeit, dann ergibt das doch einen Sinn. Für mich galt ja leider lange Zeit das Gegenteil (was die Betten betrifft), da ich mein ursprüngliches Zimmer, welches neben dem meines Bruders lag, und damit auch das darin vorhandene Bett aufgeben musste. Zu dieser Zeit war der arme Tom bereits schwerer Alkoholiker und zwar mit all den dazugehörigen, üblen Begleiterscheinungen. Ich bin daher seinerzeit in das sogenannte "Nähstübchen" geflüchtet, welches ich bereits vor unserem gemeinsamen Einzug in das alte Haus für meinen Gebrauch markiert hatte. Leider erlaubten die dortigen Gegebenheiten jedoch nur den Aufbau eines Campingbettes auf einen schon vorhandenen halbhohen Schrank, welches ich mir selber aus allem, was ich an Brettern und Winkeln finden konnte, bauen musste. Meine Verblüffung über die Tatsache, dass es Lattenroste in einer Breite von 70 cm gibt, war damals entsprechend groß. Aber das Bett war mir sogar richtig gut gelungen und der Abstand zu meinem berauschten Bruder war leider mehr als nötig. Dieser wurde zwar nie ausfallend, ganz im Gegenteil! Mit meiner fürsorglichen Ader hätte ich jedoch gar keine Ruhe gefunden, solange ich in der Nähe eines hilflos Betrunkenen geblieben wäre (wie oft habe ich ihn trotzdem aus ungünstiger Lage retten müssen).
Fast ein Jahr nach seinem Tod wollte ein glücklicher Zufall, dass ich endlich ein schönes Sofa für das bis dato nur als Bücherlager genutzte Wohnzimmer erhielt. Dieses diente mir daraufhin knapp eineinhalb Jahre als Bett, denn im Stübchen wollte ich irgendwann nicht mehr bleiben. Es dauerte jedoch fast zweieinhalb Jahre, bis ich mich endlich dazu entschloss, das brachliegende, äußerst komfortable Bett meines Bruders zu übernehmen, welches über französische Maße verfügt und mir seither wie ein Wunder erscheint. Das war allerdings nur möglich, weil ich dieses im Lauf der Zeit von Grund auf gewaschen und gereinigt hatte.
Um nun aber auf den Punkt zu kommen, muss ich leider erneut über meine heftig angeknackste Gesundheit sprechen, denn gestern ging es richtig rund bei mir. Ich bin mittlerweile sogar überzeugt davon, dass dies nicht nur an dem übermäßigen Verzehr der Birnen lag, denn ich habe mir sehr wahrscheinlich mit zu lange im Kühlschrank gelagertem, gekochten Essen die Verdauung ruiniert. Ich werde nicht näher in Detail gehen, aber wenn sogar ich die Segel streichen muss, dann ist das Elend groß. Daher war ich mehr als froh, aus meinem Bett in der oberen Etage fliehen zu können und mein Lager auf dem Sofa zu beziehen. Es gibt nämlich nur eine Toilette hier und diese befindet sich ebenfalls in einem Anbau - dieser ist allerdings komplett mit dem Haus verbunden. Inzwischen geht es bereits wieder ein bisschen aufwärts, aber die Schmerzen halten mich weiterhin deutlich in Schach. Da ist es nur gut, dass ich mich selber so hervorragend versorgen kann, sonst wäre ich tatsächlich geliefert. Es war zudem sehr praktisch, niemanden mit meinem elendigen Gejammer beunruhigen zu müssen (selbst die Nachbarn haben davon nichts mitbekommen). Andererseits weiß jedoch sogar ich alte Eremitin die Segnungen eines liebevollen Zeichens der Anteilnahme zu schätzen. Noch schöner könnte für mich jetzt nur noch eine helfende Hand* sein, aber wem sage ich das!

*Heilung erwirken durch Handauflegen ;-)

07.09.2026 / 12:45