Was die Großmutter noch wusste

Da meine körperlichen Beschwerden mir dieser Tage einen Riegel vor sämtliche Aktivitäten legten, hat mich das sensationelle Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nur am Rande berührt. Auch auf die entsprechende Berichtserstattung musste ich größtenteils verzichten. Es geht mir leider auch weiterhin nicht wirklich gut, aber immerhin wird es schrittweise besser. Es handelt sich zwar nur um Babyschritte, aber selbst mit diesen kommt man ja irgendwann wieder in günstigere Gefilde. Trotzdem musste ich mit Grausen vernehmen, dass der schöne Hendrik Wüst mal wieder von einem AfD-Verbot faselt und auch das Verhalten vieler anderer, sogenannter "Granden" erschüttert mich zutiefst. Wovor haben diese verkommenen Figuren eigentlich so eine große Angst, dass sie dermaßen Zeter und Mordio schreien? Der eine oder andere wird sich sicherlich nur davor fürchten, seinen gut dotierten Posten zu verlieren, denn Geld zuhauf für das absolute Minimum an Leistung zu erhalten - das ist schon eine echte Hausnummer! Es müssen jedoch auch ziemlich heftige Schweinereien mit im Spiel sein, deren Aufdeckung befürchtet wird - anders lässt sich das alles nicht mehr erklären. Dazu passend wird das Volk ja schon seit ewigen Zeiten immer weiter verblödet und der Gipfel des Wahnsinns nennt sich "Tagesschau in einfacher Sprache". Alter Schwede! So was Widerliches habe ich noch nicht erlebt. Das ist geistige Insolvenz vom Feinsten - wer denkt sich bloß so etwas aus? Und dann auch noch jemanden finden, der das mit vollkommen ernster Miene moderiert, es ist unfassbar!
Es hat jedoch auch sein Gutes, denn gerade der wüste Hendrik hat mich an eine bekannte Theorie erinnert, der zufolge Kinder sich bei der Suche nach ihrem späteren Partner unbewusst oft an den Eltern orientieren. Da könnte sogar was dran sein, man sollte jedoch bedenken, dass es nicht immer die eigenen Erzeuger sind, die einem als Leitfigur dienen. Denn obwohl ich meinen Vater als Kind durchaus geliebt habe, war ich bei meinen Eltern nie zu Hause. Sicher und geborgen fühlte ich mich nämlich nur bei den Großeltern mütterlicherseits. Leider war die Oma gesundheitlich schon in jungen Jahren auf dem absteigenden Ast, aber wer meine Mutter als Tochter hatte, dem musste es wohl mit der Zeit so schlecht ergehen. Gestorben ist diese unglückliche Frau im Alter von vierundsechzig Jahren, da hatte sie bereits fünf Schlaganfälle hinter sich. Dass der Großvater in einer Art Affenliebe mit meiner Mutter verbunden war, das wusste ich als Kind jedoch nicht. Ich sah nur den warmherzigen Mann mit den langen, blonden Haaren, der ein großartiger Geschichtenerzähler war. Zudem konnte er fantastisch zeichnen und nicht nur dieses Talent hat er an mich vererbt. Er war nämlich auch ein hochmusikalischer Mensch und den Großvater Max ohne seine Orgel oder sein Akkordeon gab es einfach nicht. Er hatte allerdings auch eine ziemlich nervige Angewohnheit und das war sein dringender Wunsch, alle Menschen um sich herum ständig zum Lachen bringen zu wollen. Das war dann leider häufiger etwas peinlich für uns, weil nicht jedem jederzeit nach Scherzen zumute ist. Insgesamt lässt sich jedoch konstatieren, dass ich mich seither immer (unbewusst) nach einem Partner gesehnt habe, der ihm in dieser bunten Vielfalt von Begabungen gleicht. Einen Mann, der meinem attraktiven Vater ähnelt, wollte ich hingegen nie (Gott verhüte!) und erst recht keinen mit seinen stark ausgeprägten, autoritären Macho-Allüren.
Was meine Großmutter mit alledem zu tun hat, das ist allerdings schnell erzählt. Denn diese liebe Frau war der einzige Mensch in meinem Leben, der mir immer Mut gemacht hat und ich erinnere mich deutlich an ihre aufmunternden Art: "Wenn es einer schafft, dann bist du das!" Danke, liebes Großmütterlein, deine Worte tragen mich bis heute. Und dein Mann, der ein rechter Schuft war und der mir später ein ziemliches Leid zufügte, ist ebenfalls weiterhin das Maß der Dinge, wenn es um die Liebe geht. Das ist doch eigentlich verrückt, oder?

08.09.2026 / 14:30